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Leitfaden · Governance & Recht

Wie kommt ein AI-Use-Case sauber durch die Freigabe?

Zuletzt geprüft: 23. Juli 2026

Fünf Fragen entscheiden über die Freigabe eines AI-Use-Case: personenbezogene Daten, automatisierte Personenentscheidungen, EU-AI-Act-Risikoklasse, externes Basismodell und menschliche Prüfbarkeit. Wer den Baum sauber durchläuft, erreicht eine Freigabe in 5 Werktagen statt in 5 Monaten — Governance wird zum Beschleuniger, nicht zur Hürde.

Welche fünf Fragen entscheiden über die Freigabe?

Dieser Entscheidungsbaum führt durch den Freigabeprozess für jeden neuen AI-Use-Case. Er ersetzt keine Rechtsberatung, sondern gibt Orientierung für den internen Prozess — Schritt für Schritt, ohne Umwege.

1

Verarbeitet der Use Case personenbezogene Daten? Ja → weiter zu Frage 2. Nein → kein DSGVO-Review nötig, direkt weiter zu Frage 3.

2

Trifft das System automatisiert Entscheidungen über Personen? Ja → DSGVO Art. 22 Review, explizite Einwilligung oder Ausnahmetatbestand prüfen. Nein → Standard-Datenschutzfolgeabschätzung, weiter zu Frage 3.

3

Fällt der Use Case in eine EU-AI-Act-Hochrisiko-Kategorie? Ja → Hochrisiko-Prozess: Konformitätsbewertung, technische Dokumentation, menschliche Aufsicht. Nein → weiter zu Frage 4.

4

Nutzt der Use Case ein externes Basismodell (GPAI)? Ja → GPAI-Deployer-Pflichten prüfen: Nutzungspolitik, Output-Monitoring, Transparenzpflicht. Nein → weiter zu Frage 5.

5

Kann ein Mensch die Ergebnisse prüfen und überstimmen? Ja → Use Case kann genehmigt werden, Governance-Board-Freigabe einholen. Nein → menschliche Aufsicht einbauen oder Use Case nicht genehmigen.

Wie schwer wiegt das Risiko wirklich?

AI-Risiken unterscheiden sich fundamental von klassischen IT-Risiken: Sie sind emergent — sie entstehen durch Modellverhalten, nicht durch Konfigurationsfehler — und verändern sich durch Lernprozesse. Eine statische Bewertung reicht nicht, kontinuierliches Monitoring ist Pflicht.

Datenrisiken

Von geringer Qualität bis kritisches Datenleck

Kritische Ausprägung: eine Datenpanne im AI-System oder ein kritisches Datenleck.

Modellrisiken

Von sporadischen Halluzinationen bis autonomer Fehlentscheidung

Kritische Ausprägung: systematische Fehler oder eine autonome Fehlentscheidung ohne Aufsicht.

Compliance-Risiken

Von Dokumentationslücken bis AI-Act-Verletzung

Kritische Ausprägung: ein Hochrisiko-Use-Case ohne Review oder eine direkte EU-AI-Act-Verletzung.

Operationale Risiken

Von Adoptionslücken bis kritischem Systemausfall

Kritische Ausprägung: Vendor-Lock-in ohne Exit-Strategie oder ein kritischer Systemausfall.

Der Baum ist bewusst als wiederholbarer Prozess gedacht, nicht als Einzelfallprüfung: Jeder neue Use Case durchläuft dieselben fünf Fragen, jede Antwort wird protokolliert, jede Freigabe ist im Nachhinein nachvollziehbar. Genau das unterscheidet einen Governance-Prozess, der Vertrauen aufbaut, von einer Ad-hoc-Entscheidung, die bei der nächsten Prüfung nicht mehr erklärbar ist.

Anti-Pattern

Das unterschätzte Risiko: Prompt Injection ist 2026 der meistgenutzte Angriffsvektor auf AI-Agenten. Ein Angreifer bettet manipulative Anweisungen in Daten ein, die der Agent verarbeitet — und bringt ihn dazu, unbeabsichtigte Aktionen auszuführen. Bei Agenten mit Transaktionsberechtigung, etwa für Zahlungen oder Bestellungen, ist das kein theoretisches Risiko, sondern ein operatives. Mitigationen: Input Validation, Output Sandboxing, minimale Agent-Berechtigungen.

Glossar

EntscheidungsbaumDSFAGPAI-DeployerPrompt Injection

Jeden Use Case in 5 Werktagen durch die Freigabe

Das Compliance Center führt jeden neuen Use Case automatisch durch den Entscheidungsbaum und dokumentiert das Ergebnis auditierbar.

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FAQ

Ersetzt dieser Entscheidungsbaum eine Rechtsberatung?

Nein. Er gibt Orientierung für den internen Prozess. Die abschließende rechtliche Bewertung, insbesondere bei Hochrisiko-Fällen, gehört immer zu Legal oder externer Beratung.

Was, wenn ein Use Case mehrere Fragen gleichzeitig betrifft?

Der Baum wird trotzdem sequenziell durchlaufen — jede Ja-Antwort kann zusätzliche Pflichten auslösen, die sich addieren, statt sich gegenseitig zu ersetzen.

Warum ist Prompt Injection gerade bei Agenten so kritisch?

Weil Agenten mit Transaktionsberechtigung reale Aktionen ausführen — eine erfolgreiche Injection wird so von einem Text- zu einem operativen Risiko.

Wie realistisch sind 5 Werktage bis zur Freigabe?

Realistisch, wenn Rollen und Entscheidungsbaum vorher klar definiert sind. Ohne beides dauert derselbe Prozess oft Monate, weil jede Frage neu diskutiert wird.

DO

Daniel Ostner

Aus Kapitel 4 des Enterprise-AI-Leitfaden-Buchs

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